Jedes Jahr verleiht DIE GROSSE den Kunstpreis der Künstler. In der regionalen Kunstszene hat diese Ehrung eine besondere Bedeutung: Anders als vergleichbare Auszeichnungen, die meist von Museumsfachleuten stammen, wird der Preis von Künstler*innen vergeben und ist somit Ausdruck einer kollegialen Wertschätzung.
Dieses Jahr erhält Birgit Jensen den Kunstpreis der Künstler. 1957 in Würzburg geboren, studierte Jensen Malerei in Berlin und kam 1985 nach Düsseldorf, wo sie bis heute lebt. Ihre Praxis verortet sich zwischen Malerei und Drucktechnik und schafft ein komplexes Crossover beider Medien, um deren traditionelle Grenzen zu verwischen. Darüber hinaus legt Jensen die Prinzipien von massenmedial produzierten Bildern frei und hinterfragt ihre Rezeption. Ihre Auseinandersetzung mit Landschaftsmotiven, die manches Klischee dieses Genres zitieren, zeugt daher von einer Reflektion über die innere Logik von Bildern und über die Vorstellung von Schönheit im Allgemeinen. Dieser analytische Balanceakt zwischen Malerei und Druckgrafik, zwischen Natur und Abbild der Natur, gepaart mit Jensens stetigem kulturpolitischen Engagement in der lokalen Kunstszene, überzeugte das Gremium des Kunstpreises der Künstler.
Birgit Jensen ist eine Grenzgängerin, die den Grenzgang zum expliziten Sujet ihrer Kunst macht. Sie malt ohne Pinsel und arbeitet seit 1990 ausschließlich mit Siebdruck. Ihr Umgang mit dieser Technik, die die Vervielfältigung von relativ flachen Motiven in hoher Auflage ermöglicht, ist paradox: Ihre Bilder sind Unikate, die mit der Hand auf Leinwand gedruckt werden, und stehen damit der Malerei näher als dem Siebdruck. Dank des Einsatzes von verschiedenen Rastern und Sieben, die eine große Vielfalt an Oberflächeneffekten ermöglichen, fingiert die Künstlerin eine malerische Gestik, die die Nähe zur expressiven Abstraktion (vor allem zu den Drip Paintings) sucht. Zudem konzentriert sich Jensen auf formale Fragestellungen, die in der Malerei typisch sind und wofür der Siebdruck als ungeeignet erscheint, wie zum Beispiel die Entwicklung einer räumlichen Bildtiefe oder die Erzeugung von komplexen Farbverläufen.
Birgit Jensens Bilder sind doppelbödig. Ihre atmosphärischen und emotional aufgeladenen Motive, die mit kulturellen Stereotypen spielen, rufen eine gewisse Faszination hervor. Aber schnell merken wir: Die konstruierte Natur auf der Leinwand hat mit der echten Natur wenig zu tun. Die Realität des Bildes ist eine andere als die Realität der Natur; und es gehört zu einem aufgeklärten Blick, beide Realitäten nicht miteinander zu verwechseln.



Alle Teilnehmer*innen der Ausstellung, die maximal 35 Jahre alt sind und noch am Beginn ihrer Karriere stehen, haben die Chance für den Förderpreis ausgewählt zu werden. Über diesen wird nach den Jury-Tagen vom Vorstand des VzVvK e.V. abgestimmt. 2025 fiel die Wahl auf Paula Knaps Loos, die sich, wie auch Birgit Jensen, durch eine hohe Vielfalt und Experimentierfreudigkeit auszeichnet.
Bedruckte Tapeten, typografische Kompositionen, Papiercollagen, Keramikwände, Sieb- oder Holzdrucke – die Kunst von Paula Knaps Loos scheint keine mediale Grenze zu kennen. Sie schreibt sich vor allem in einer allgemeinen Tendenz ein, Techniken und Verfahren, die lange Zeit für „unkünstlerisch“ gehalten wurden, zu rehabilitieren. Die Leichtigkeit, mit der Knaps Loos von einem Werkzeug zum nächsten wechselt, und ihre dezidierte Haltung, angewandte und freie Kunst gleichwertig zu behandeln, überzeugten den Vorstand vom Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen e.V., ihr den Förderpreis der Ausstellung zu verleihen.
Geboren 1991 in Essen, studierte Paula Knaps Loos bis 2023 an der Kunstakademie Düsseldorf. Auch wenn sie von einer beeindruckenden technischen Vielfalt gekennzeichnet ist, ist es die Logik der Collage, die den gemeinsamen Nenner ihrer Praxis bildet. In all ihren Arbeiten lässt die junge Künstlerin heterogene Motive aufeinanderprallen. Sie vermengt Modefotografien aus den 1960er Jahren, Blumendarstellungen aus Naturkundebüchern oder Tapetenmuster im pseudo-Jugendstil-Design, um unerwartete Beziehungen zwischen fremden Motiven zu provozieren. Wiederkehrende Bestandteile dieser komplexen Kompositionen stellen Bilder von weiblichen Körpern dar, die oft in einem ornamentalen Grundmuster integriert werden. Die Gleichstellung von Frauenbildern mit verschnörkelten Deko-Elementen kann als ironischer Kommentar zum Stellenwert der Frau in der Gesellschaft verstanden werden.
Das Prinzip der Collage weitet Knaps Loos auf ganze Räume aus. Wie für eine dreidimensionale Collage, gestaltet die Künstlerin eine Umgebung und verwandelt den White Cube des Museums in einen gemütlichen und exzentrischen Salon, in welchem das High und Low von Mode, Design, Kunst und Dekoration zusammenfließen. Dieses Interesse am Gesamtkunstwerk wird in ihrem Beitrag für DIE GROSSE besonders deutlich.



Die Besucher*innen haben entschieden – Dirk Pleyer ist der Publikumsliebling 2025 mit seiner Arbeit ‚Album, G 85/24′ (2024, Öl, Sprühlack auf Leinwand, 300 x 200 x 5 cm)!
